Reisekrankheit, medizinisch als Kinetose bezeichnet, entsteht durch widersprüchliche Sinneswahrnehmungen zwischen dem Gleichgewichtsorgan im Innenohr und den visuellen Eindrücken. Das Gleichgewichtsorgan registriert Bewegungen, während die Augen beispielsweise im Auto oder Schiff eine scheinbar ruhende Umgebung wahrnehmen. Diese Verwirrung der Sinne führt zu den charakteristischen Beschwerden der Reisekrankheit. Besonders häufig tritt sie in Autos, Bussen, Schiffen, Flugzeugen oder Zügen auf, wobei ungewohnte oder unregelmäßige Bewegungen die Symptome verstärken können.
Die Beschwerden der Reisekrankheit entwickeln sich meist stufenweise und können unterschiedlich stark ausgeprägt sein:
Besonders betroffen sind Kinder zwischen 2 und 12 Jahren, da ihr Gleichgewichtssystem noch nicht vollständig entwickelt ist. Schwangere Frauen leiden aufgrund hormoneller Veränderungen häufiger unter Reisekrankheit, ebenso Menschen mit Migräne-Neigung oder Gleichgewichtsstörungen.
Dimenhydrinat ist der bewährteste Wirkstoff gegen Reisekrankheit und in österreichischen Apotheken unter verschiedenen Markennamen wie Dramamine oder Vomex A erhältlich. Diese Antihistaminika blockieren die Übertragung von Signalen zwischen dem Gleichgewichtsorgan und dem Brechzentrum im Gehirn. Die Einnahme sollte etwa 30-60 Minuten vor Reiseantritt erfolgen. Diphenhydramin-haltige Präparate wirken ähnlich, können jedoch stärkere Müdigkeit verursachen. Die Dosierung richtet sich nach Alter und Körpergewicht - Erwachsene nehmen meist 50-100mg alle 4-6 Stunden ein.
Scopolamin-Pflaster bieten eine langanhaltende Wirkung von bis zu 72 Stunden und sind besonders für längere Reisen geeignet. In Österreich sind diese Pflaster-Systeme verschreibungspflichtig und müssen vom Arzt verordnet werden. Das Pflaster wird etwa 4 Stunden vor Reiseantritt hinter das Ohr geklebt. Alternativ gibt es Travel Gum mit ähnlichen Wirkstoffen, die rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind und bei ersten Anzeichen der Reisekrankheit gekaut werden können.
Für Reisende, die natürliche Heilmittel bevorzugen, bieten homöopathische Präparate eine sanfte Alternative zur konventionellen Behandlung von Reisekrankheit. Diese Mittel sind besonders bei Kindern und sensiblen Personen beliebt.
Cocculus ist eines der bewährtesten homöopathischen Mittel gegen Reisekrankheit. Es wird besonders empfohlen bei Übelkeit, die durch Bewegung ausgelöst wird, sowie bei Schwindel und Schwächegefühl während der Fahrt. Die Einnahme erfolgt idealerweise bereits vor Reiseantritt in der Potenz D6 oder D12.
Nux vomica eignet sich besonders bei Reisekrankheit, die mit Magenverstimmung, Sodbrennen oder nervöser Anspannung einhergeht. Dieses Mittel ist auch hilfreich, wenn die Beschwerden durch Stress oder unregelmäßige Mahlzeiten verstärkt werden.
Bach-Blüten Rescue-Tropfen können bei akuter Reisekrankheit beruhigend wirken und Angstgefühle lindern. Zusätzlich haben sich Ingwer-Präparate als natürliche Alternative bewährt, da sie die Magenfunktion unterstützen und Übelkeit reduzieren können.
Die richtige Vorbereitung ist entscheidend für eine beschwerdefreie Fahrt. Wählen Sie den Sitzplatz strategisch: Im Auto am besten vorne, im Bus in den vorderen Reihen und im Schiff in der Mitte des Fahrzeugs. Vermeiden Sie schwere, fettige Mahlzeiten 2-3 Stunden vor Reiseantritt. Bei bekannter Reisekrankheit sollten Medikamente 30-60 Minuten vor Abfahrt eingenommen werden.
Richten Sie Ihren Blick stets in Fahrtrichtung und fixieren Sie einen Punkt am Horizont. Vermeiden Sie das Lesen oder Schauen auf mobile Geräte. Sorgen Sie für ausreichend Frischluft und planen Sie regelmäßige Pausen ein:
Bevorzugen Sie leichte, kohlenhydratreiche Kost wie Zwieback oder Bananen. Trinken Sie ausreichend, aber vermeiden Sie kohlensäurehaltige Getränke, Alkohol und Kaffee. Ingwertee oder stilles Wasser sind ideal. Meiden Sie Milchprodukte, scharfe Gewürze und stark riechende Speisen während der Reise.
Schiffsreisen stellen durch die konstanten Wellenbewegungen besondere Herausforderungen dar. Die Wahl einer Kabine in der Schiffsmitte und auf niedrigeren Decks reduziert die Bewegungswahrnehmung erheblich. Regelmäßige Aufenthalte an Deck mit Blick auf den Horizont helfen dem Gleichgewichtssinn bei der Orientierung. Bewährte maritime Hausmittel sind Ingwertee und das Kauen von Zwieback.
Bei Flugreisen verstärken Druckveränderungen und Turbulenzen die Symptome der Reisekrankheit. Sitzplätze über den Tragflächen bieten die ruhigste Position im Flugzeug. Spezielle Präparate für Flugreisen sollten etwa eine Stunde vor dem Start eingenommen werden, um während des Fluges optimal zu wirken.
Kinder benötigen altersgerechte Medikamente in angepasster Dosierung. Zusätzlich helfen Ablenkungen und regelmäßige Pausen:
Anhaltende Symptome trotz konsequenter Behandlung über mehrere Tage erfordern ärztliche Abklärung. Auch starke Nebenwirkungen der eingenommenen Medikamente wie anhaltende Müdigkeit oder allergische Reaktionen sind Warnsignale. Bei Begleiterkrankungen können unerwartete Wechselwirkungen auftreten, die professionelle Beratung notwendig machen.
Schwangere und stillende Frauen sollten vor der Einnahme von Reisekrankheits-Medikamenten unbedingt ärztlichen Rat einholen. Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Herzproblemen oder Diabetes benötigen individuelle Empfehlungen. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, muss mögliche Wechselwirkungen berücksichtigen lassen.
Österreichische Apotheken bieten kompetente Beratung durch pharmazeutisches Fachpersonal und stellen individuelle Reiseapotheken zusammen. Sie geben wertvolle Notfall-Tipps für unterwegs und beraten zu Dosierungen sowie Anwendungszeiten der verschiedenen Präparate.